Das Denken des Menschen

 

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Wenn man verschiedene Menschen fragt, was den Menschen vom Tier unterscheidet, so stellt man fest, dass die Antwort stark geprägt ist von der religiösen Überzeugung des Menschen. Während ein überzeugter Christ, der seinen Glauben aus der Bibel heraus definiert, dem Ersten Testament nach den Menschen als ein von Gott auserwähltes Wesen ansieht, dass über die Welt herrschen soll, wird ein rationalerer Mensch, der durch keine Vorgaben durch Bücher gebunden ist, antworten, dass der Unterschied ganz einfach die Ausprägung der Intelligenz und somit die Stufe auf der Evolutionsleiter ist. Ein Mensch hat die Fähigkeit, bewusst Entscheidungen zu treffen, er hat ein Selbstbewusstsein. Er ist sich also bewusst, dass er existiert und dass er denkt und handelt aus diesem Bewusstsein heraus. Ein Tier hat vielleicht eine gewisse Intelligenz, hier werden gerne Beispiele wie Affen oder Wale genannt. Sie sind sich jedoch nicht ihres Denkens bewusst, sie sind absolut an ihren Trieben gebunden, die ihnen vorschreiben, in bestimmten Situationen eine bestimmte Handlung durchzuführen, sei es die Nahrungssuche, die Paarung oder ein Winterschlaf.

 

Der Mensch hat es irgendwann in seiner Evolution geschafft, die Triebhaftigkeit dem Bewusstsein immer mehr unterzuordnen. Heute übt er nicht notgedrungen Gewalt auf seine Artgenossen aus, nur weil er dadurch einen Vorteil erzielt. Er lernt seinen Sexualtrieb zu steuern oder zu unterdrücken, weil er in gewissen Situationen unangebracht und effektives Handeln und Denken verhindert. Der Trieb ist bei jedem Menschen noch vorhanden, aber er kann größtenteils dem bewussten Handeln untergeordnet werden. Nur so konnte eine gesellschaftsfähige Rasse entstehen. Denn das Bestehen einer Gesellschaft setzt voraus, dass gewisse moralische und ethische Grundsätze vorhanden sind. Ohne Regeln und Gesetze, die auf eben diesen beruhen, kann eine Gesellschaft nicht funktionieren, weil dann die im Menschen vorhandenen Triebe die Kontrolle haben und die durch den Trieb gesteuerten Dinge wie Sexualität, Nahrungssuche, Aggression etc. nicht bewusst gesteuert werden. In einer funktionierenden Gesellschaft aber muss durch Verhaltensregeln das Ablaufen von bestimmten Handlungen wie Handel oder Teilen der Nahrungsmittel gewährleistet sein. Da der Mensch aber nun als höher entwickelt gilt als alle anderen Tiere, kommt die Frage auf, warum die Evolution bewusstes Handeln und Denken hervorgebracht hat. Was ist der Vorteil gegenüber der Triebsteuerung?

 

Aus der heutigen Sicht würden viele antworten, dass Dinge wie Kunst, Politik, Wissenschaft oder Liebe nur durch die Loslösung der absoluten Triebsteuerung resultieren konnten. Was aber lässt uns denken, dass wir mit unserer Intelligenz und unseren kognitiven Fähigkeiten besser wären als die übrigen Tiere? Ohne den Menschen würde das Ökosystem Erde ohne Probleme funktionieren. Es wären, wenn überhaupt, nur sehr wenige Tierarten ausgestorben, es gäbe keine Ozonlöcher, keine Kriege, keine Umweltkatastrophen. Momentan ginge es der Erde auf alle Fälle besser. Ist das Verhalten der Tiere nicht viel effektiver? Sie zerstören nicht ihre eigene Umwelt, sondern haben in ihrem Horizont ein „erfülltes Leben“.

 

Viele rechtfertigen das Vorgehen des Menschen ganz einfach damit, dass man als Mensch eine Art „Herrscher der Erde“ ist; kein anderes Tier ist fähig, die Welt so stark zu beeinflussen wie der Mensch, der Mensch hat sich die Erde Untertan gemacht, um daraus seine Vorteile zu erhalten und den Fortschritt von Technik und Wohlstand stark zu beschleunigen. Hier muss man hinzufügen, dass jedoch nur die ausbeutenden Länder und ihre Bewohner einen mittelfristigen Vorteil aus der Herrschaft über die Natur der gesamten Erde ziehen, den die Industrie und Marktwirtschaft sowie die wissenschaftliche Erkenntnis darstellen. Durch diese Ausbeutung entsteht zwangsläufig ein Ungleichgewicht und viele Länder der Erde müssen durch die gleichen Ursachen, die einige reich und wohlhabend macht, mit Dingen wie Hunger, Bürgerkrieg, Seuchen etc. fertig werden. Man kann dies mit dem Modell einer Waage vergleichen: Zu Beginn steht die Waage im Gleichgewicht, beide Seiten sind gleichstark belastet. Wenn nun ein bestimmte Gruppe von Menschen sich so weit entwickelt hat, dass sie Möglichkeiten wie Handel und Krieg hat, so kann sie eine andere Gruppe von Menschen ausnutzen, um selbst einen Vorteil zu erzielen. Dadurch gerät allerdings die Waage in Ungleichgewicht, das Gewichtstück wird von der einen Schale der Waage in die andere gelegt; während die eine Seite steigt, fällt unmittelbar die andere. Der Vorteil des einen war bisher direkt mit dem Nachteil eines anderen verknüpft. Der egoistische Durchschnittsmensch der kapitalistischen Welt sieht dies frei nach Darwin darin gerechtfertigt,  dass es von der Natur einfach gegeben ist, dass der Stärkere überlebt.

 

Eine andere Meinung zum Ausbeuten der Erde durch den Menschen und die damit verknüpfte Zerstörung der Natur ist, dass der Mensch eine Art Unglücksfall der Evolution ist - ein Virus, der die Erde befallen hat - alle Arten auf der Erde werden früher oder später vernichtet werden bis dem Menschen die Lebensgrundlage genau dadurch genommen wird und er somit wie der Virus nach dem Tod des befallenen Organismus einen neuen „Wirt“ suchen muss, also andere Planeten bspw.

Während der ein Teil der Menschen durch starken Egoismus einfach nicht einsieht, andere Lebensformen zu schützen gibt es auch Menschen, die so altruistisch sind, dass sie nicht nur den Vorteil im eigenen Glück sehen sondern in dem Glück aller Menschen oder gar dem Glück der Erde, was so viel heißt, wie dass man sich sozial oder im Umweltschutz engagiert und nach den Prinzipien der Gerechtigkeit lebt. Nun ist es aber so, dass erwiesen ist, dass dieser Sozialtrieb auch nur zu eigenen Vorteilen führt. Durch Nettigkeiten und freundliches Verhalten gegenüber Mitmenschen resultieren Vorteile, die aus Erwiderung der positiven Attitüde  bestehen. Oder das Unterlassen eines Diebstahls bspw. Hat den positiven Effekt, dass man mit keinem schlechten Gewissen leben muss. Aber macht das Gute am Menschen nicht gerade das aus?; dass man mit einem schlechten Gewissen, dass durch eine unmoralische Tat erlangt, meist nicht gerne leben möchte. Oder dass aus sozialem Verhalten gegenüber anderen soziales Verhalten des anderen resultiert? Dadurch wird das Funktionieren der Gesellschaft effektiver und die Menschen allgemein glücklicher. Also sehen wir, dass durch bewusstes Denken nicht nur Kriege und Ausbeutung möglich waren, sondern auch konstruktive und positive Errungenschaften; Dies war eine Art Weiterentwicklung, die im Laufe der Jahrhunderte stattgefunden hat. Völker der Erde verbinden sich, es findet Kulturaustausch statt, Konflikte werde gelöst, es wird ein bewusstes Leben im Einklang mit der Natur gefordert. Die Rechte von Minderheiten und Frauen wurden stark verbessert. Der Gedanke von Menschenrechten wurde überhaupt erst entwickelt. Heutzutage gibt es so wenige Diktatoren und totalitäre Systeme wie nie zuvor. Dieser Wandel vom Egoismus zum Altruismus hat erst angefangen, aber man kann ihn eine Weiterentwicklung der gesamten menschlichen Gesellschaft nennen. Natürlich gab es kurzfristige Rückschritte: Durch die Erfindung der Eisenschmelze bspw. waren Schwerter möglich, die für viele Tote verantwortlich waren. Aber nur so konnten auch die Pflugscharen erfunden werden, durch deren Hilfe viele Menschen nicht hungern mussten, da die Landwirtschaft effektiver wurde. Oder auch die Industrialisierung; durch sie mussten viele unterdrückte Arbeiter, die von den wenigen Reichen ausgenutzt wurden, leiden, aber nur so konnte sich Hunderte Jahre später das Internet entwickeln, dass zur Völkerverständigung und dem Zusammenwachsen der Weltbevölkerung Großes beigetragen hat. Also langfristig ist eine moralische Weiterentwicklung zu erkennen. Europa wächst zusammen, während noch ein knappes Jahrhundert zuvor eine europäische Union als mehr als unmöglich galt. Weltweit wird mehr für den Umweltschutz getan, während seit Beginn der Industrialisierung der Mensch die Umweltzerstörung kaum als bekämpfenswert erachtete. Kriege werden als schlecht betrachtet, während Römer und Griechen das Töten der Feinde als etwas Ehrenvolles und Gutes betrachteten.

 

Das Interessante bei dieser Weiterentwicklung ist, dass sie nicht einer physischen Evolution der Tierart Mensch entspringt. Man könnte ein Neugeborenes der Antike in unserer Gesellschaft zum gleichen Menschen erziehen, wie man es bei einem Neugeborenen unserer Zeit tun würde. Durch bewusstes Denken und Handeln wird also eine zweite Art der Evolution geboren: Die Gesellschaftsevolution. Der Mensch sieht anhand der Folge seiner Handlungen, aber vor allem auch anhand abstrakter philosophischer Überlegungen, inwieweit man sich besser verhalten könnte und bestehende gesellschaftliche Werte und moralische Vorstellungen anpassen könnte, um den Überlegungen des besseren Verhaltens gerecht zu werden. Diese neue, geistige Errungenschaft wird an die nachkommenden Generationen durch Erziehung weitergegeben und kann von diesen nun wieder weiterentwickelt werden. Wichtig ist, dass diese Evolution erstens viel schneller ist und zweitens auch eine Zurückentwicklung darstellen kann, z.B. das Dritte Reich stellt eine solche gesellschaftliche Rückentwicklung dar. Interessanterweise tragen oft wenige Menschen zu großen Veränderungen bei, hier sind vor allem Philosophen wie Sokrates, Konfuzius, Kant, oder Montesquieu zu nennen. Sie haben gesellschaftliche Werte nachhaltig beeinflusst.

 

Aber was ist eine gute, was eine schlechte Weiterentwicklung? Um hierauf zu antworten, benötigt man eine Definition von „gut“.

 

 

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